Realms Beyond – A classic turn-based fantasy RPG

Cormac und der Kult


Die Götter sind tot. Friede ihren Tugenden.
Ich war zugegen, als Rethgard brannte und Asche flehentliches Wehgeschrei erstickte. Ich sah den Fall des großen Caer Pedryvan, lang bevor es den Ansturm der Belagerer nicht länger wehrte. Gebeten lauscht’ ich, die im Wind verwehten, bis denn Hunger die Verlassenen trieb, gierig ihre Hingeschiedenen zu verschlingen. Ich rief zur Freiheit all die Totgeweihten, die Furcht in Eastgates Mauern kerkerte, auf dass Stein die Seuche banne, die aus dem Ödmoor als gerechter Würger Midlandshires kroch. Hört ihr das Jammern? Und die Verwünschungen jener, die auf eure Tugenden hofften? Der Tag wird kommen, da “Die Schwarze Hand” das halb verfallene Bollwerk sprengt und die Kehlen jener reißt, die schlechtes Korn und fauliges Fleisch ihren Brüdern und Schwestern zum Fraße warfen. Hört das Heulen, das aus Eastgates Albdruck steigt, während sie vergnügt zu Kampfesspielen in Medcaut prassen! Gelage halten, über denen, die zum Ergötzen sich in Waffengängen niederstrecken. Vernehmt den Jubel derer, solche Schwerter, die Getreue sich zur Scheide wählen, zur Rastlosigkeit rufen! Die zu munterem Sange Glied um Glied der Kette schmieden, die in Knechtschaft Kvenlands einstmals stolze Tharsen zwingt. Mann und Weib gilt’s ihnen, den Bäumen gleich zu brechen, die sie zu hunderten im Norden schlagen und fort dem Land der Tannen in ihre kahlgehauenen Breiten flößen, wo sie als Lanzen in Gefährtenbrust zersplittern. Zu Grabe tragt die Tugenden!

Doch was schon solcher Blutdurst wiegt, verglichen dem des auf einem Berg Gebeins zügellose sich räkelnden Waysteads! Ich sah es, einem Geschwür gleich, von Gipfels Höhe niederwuchern und mit Wällen wieder und wieder sich umgeben, die doch den Wurm nicht fernzuhalten mögen, der im Inneren der Leiche zehrt. Die Gier rafft in den Höhen sich zur Zitadelle, die jedoch als wie auf einen Strudel stiert, drin alles unter ihr verschwimmt. Seht ihr sie, die armen Seelen? Es spült sie durch Spelunken in die unersättlichen Arme der nach jedem hastig greifenden Hurenhäuser und alsdann gen immer neuen Liebschaften mit den endlosen Strömen nutzlosen Plunders, welche das Treiben fortwährend bespeisen. Des Nachts dröhnt das große Horn in unerbittlichen Rufen der Sühne nach einem der Tore hernieder, deren knarrende Riegel einem wie eine Ratte gejagten Sünder das Fallen des Henkersbeils bedeuten. Fürwahr aber gellt das Viertel als Verlies verderbter Unbilden wider! Schenkt den Mären ihr noch Glauben, dass die Pforten Feinde feien? Euch gelten sie! Ihr seid die Gefangenen! Ihr lügt und betrügt. Schändet ohne Unterlassen jeden, der des Aufbegehrens nicht taugt. Und wie ihr einander zu meucheln versteht… Findigkeit schafft viele Wege. Und als Bastard eurer Grausamkeit erwuchs Martern das den Körper bricht, doch Leben schont, auf dass erlittene Qual den Tod, der säumt, ersehnen lässt. Und ihr wähnt Wahrer euch der Tugenden? Tragt zu Grabe ihr Vermächtnis!

Vom fauligen Herzen aus fließt das Übel der Falschheit den unheilbringenden Greyadder hinauf nach dem furchtbaren Späher Cairn Thuath. Ist es nicht Blut, das die Felsen des Sees von Galtan bewogt und ein Schlächter die von Schreien umtoste Feste, deren mit unzähligen Geschützten besetzte Wälle als Zeugnis unvergleichlichen Hochmuts weit in den Himmel ragen? Wie vielen, die da frieren, in der Kälte Argeas, böte die gewaltige Halle Obhut? O Cirramón, vielgerühmter Altvorderer, dem sie zur Heimstatt dient, doch der starr auf mächtigem Throne die Zeitalter in Stein gewappnet welken sieht: Was schauen deine toten Marmoraugen, König der Leere? Sonnenstreiter sahst kommen du und gehen. Und mit ihnen abertausend der durch sie Verdammten. Lauschst mit Verzücken du den Schreien der Entflammten, die an Feuerräder geschlagen, der Götter Gunst erstickt im Rauch erflehen? Erbarmt sich keiner der Unschuldigen? Bereitet Pein es deinen Ohren, Gesänge frömmelnden Edelmuts zur Sonnenwende zu vernehmen? Einstweilen sie draußen kreischen und kreischen, wenn die nimmermüden Lohen ihnen das lebendige Fleisch versengen? Feste der Schreie! Feste der Knochen! Grausige Lieder der Qualen hallen wider deiner Wälle. Doch kein Wimmern erweicht die getreuen Gemüter deiner blutrünstigen Ritter, die auf Geheiß Tuachalls unter dem Banner beeideter Tugenden als Geißel des Landes zu Raub und Meuchelei ausziehen. Earl of Glenthearn, ich rufe auf das Schlachtfeld deiner Heuchelei zur Bahrprobe dich aus! Lege auf den Acker Hand, hernach die Wunden der Verscharten Mündern gleich Gericht in blutiger Klage halten und einen Scharlachsee heraufbeschwören, drin Cairn Thuath und dein Geblüt versinkt. Zu Grabe tragt die Last die euch erdrückt!

Doch wen verwundert, was sich Waystead scheidet, im Angesichte der Kloake die es mästet! Her Bridgewater sie drängt, das lieblicher noch blüht als Silberdorn und sich als ebenso giftig erweist, wann immer die verruchten Krämerseelen, die Abgaben selbst auf die Einkehr über ihre Brücke erheben, einen armen Toren der Kurzweil halber aufknüpfen. Suchen sie alsdann in der “Taverne zum Gehängten” das Vergessen ihrer lästerlichen Schuldigkeit auf dem Grunde eines Humpens? Zappeln dort nicht im Widerglanz des letzten Schluckes noch immer die verzweifelt sich windenden Glieder? Und zappeln und zappeln die Gurgel herunter? Doch dessen Gaumen einmal Herrschaft über jene des Lebens kostete, verlangt begierig Tod zu schmecken, ob dem sie allbereits dem nächsten Unglücklichen auflauern! Ich aber frage, wann der fette Schultheiß Henry Fitz am Galgen baumelt!? Henry Fitz, der Weiber schachert und Raub als Steuer hehlt, solang das Gold durch seine Hände fließt. Er wäscht sie in den von Ethuviens Elfenabschaum besudelten Wassern, draus immerdar die Westmark schöpft! Wie sich aber unruhigen Schlafes Spukgesicht als schlechter Speise Sprössling offenbart, gibt Kunde auch das Land all jener unseligen Ströme, die sich unentwegt in es ergießen. Drum lauern böse Träume in Fiarachs düsteren Wäldern, während ruhelose Schatten im verfallenen Schlosse Dún Ifrenn umgehen.

Ja, als trüge Wind was Flusses Fluch mit sich, erfährt selbst Schonung nicht die Wildnis! Die Druiden des Eilands von Ynys Dryw, die sich selbst Vertraute der Bäume nennen, wuchern gleich Schadkraut im Forste. Mit verwerflichen Feen und ungebärdigen Elfen sind sie im Bunde und rufen Abarten der Natur zu ihrem Schutze an. Jene, die ihnen Achtung erweisen, sind von Blindheit geschlagen und dem gottlosen Lug und Trug verfallener noch als der Gleisnerei der Priesterschaft. Das Wirken derer, hin denen sie sich wenden, spottet jeder Rechtschaffenheit und doch findet elfischer Aberglaube in druidischer Auslegung allzu viele Ohren bereitwillig lauschend. In Verwandtschaft dem Strome, der aus Elfenlanden so verhängnisvoll nach Bridgewater zieht, verwässern Elfen und Feen jedwedes bestrickende Druidenwort. Ihr Kult ist lebendig unter denen, die sich statt dem erbarmungslosen Treiben der Städte den ungeheuerlichen Riten abscheuerregender Feen hingeben. Soll dies das Vermächtnis des Volks von Cormac sein? Nieder mit den aus verdorbenem Wurzelwerk emporgetriebenen Wäldern!

Was noch neigt ihr eure Häupter vor Heilkündern und dem Blendwerk juwelenbestückter Goldkronen, die Schmiedehand aus eurem Schweiß und euren Tränen schlug? Bekennt euch eures wahren Wesens! Auf dass die Fesseln euer lassen, die Priesterwort um Zunge, Wunsch und Leibes Lüste schlingt. Erhebt euch, ihr Kinder der Inneren Flamme, auf dass Wohlgefallen euer Herr an euch finde! Denn er kommt euch zu erlösen. O wie er kommt! Als Sturm, als Donnerschlag, als Finsterstern. Als Himmel, der herniederstürzt und Anbeginn der Ewigkeit. Kommen wird mit Feuer er und Nacht.
Sein ist der Leib Hylias, deren siechende Strahlen ein Grabtuch euch wirkten. Aus entfachtem Firmament und grollendem Gewölk wird niederschauern all ihr Blut, mit Lust die lechzende Lande durchtränken! Dann berauscht euch an der in den Tiefen dämmernder Lachen in höchster Begierde vergehenden Sonne, auf dass ihr Sterngewalten in euch spürt! Feiert sein Kommen, ihr Kinder der Flamme! Feiert es mit unbändiger Zerstörung! In Trümmern entschworener Gelöbnisse wandelt! Sagt los euch der Knechtschaft der Reue! Zerschlagt die Götzen, die euch jochen! Was euch versucht, dem gebet nach! Was immer ihr begehrt, das nehmt! Still ein jedes geächtete Verlangen!
Ich sehe eine neue Welt aus seines Fleisches Feuern sich erheben und mit ihr die Heerscharen der Verfemten, die einst wie ihr auf Erden darbten, doch nun entfesselt in den freudvollen Flammen seines all uns errettenden Reiches jauchzen. Berste Argea, dein Erlöser ist nah!
Die Tugenden sind tot. Friede den Göttern.

– Pamphlet des “Kults der Inneren Flamme”

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